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Zucht:

Sicherlich ist es reizvoll, selber einmal Jungtiere zu haben. Meerschweinchenkinder, die vollkommen entwickelt zur Welt kommen und auf ihren zu lang geratenen Beinchen durch den Käfig wackeln, immer quiekend auf der Suche nach Mamis Milchbar, sind für Kinder wie Erwachsene ein erfreulicher Anblick.

Engl. Crested goldagouti

Aber dieser Schritt will gut überlegt sein. Wichtig sind erst einmal die Ausgangstiere, vor allem das Weibchen. Sie muß groß und kräftig sein, bestimmte Körpermerkmale (wie zum Beispiel ein breites Becken) haben und zwischen 6 und maximal 12 Monaten sein. (Dies bezieht sich auf den ersten Wurf; zwischen den folgenden Würfen sollten 2 bis 8 Monate vergehen.) Das Alter ist deswegen so wichtig, weil die Jungtiere so groß sind - bis 160 Gramm! - und das Weibchen ihre Becken- und Oberschenkel-
knochen maximal dehnen muß, um zu gebären.

Ist sie älter als ein Jahr, verknöchert der Knorpel, der die Schambeinfuge schließt und das Becken kann sich nicht mehr oder nur noch wenig weiten. Die Jungtiere kommen dann entweder unter großen Schmerzen oder gar nicht zur Welt.
In letzterem Fall hilft nur noch ein baldigst vom Tierarzt durchgeführter Kaiserschnitt (auch sonntags oder nachts um 2; Tiernotdienst!). Sonst sind das Muttertier und die Jungen unweigerlich verloren.

Stimmt die Nahrung des Muttertieres nicht, kann es zur sogenannten Trächtigkeitstoxitose kommen; die Leber stellt ihre Funktion ein und das Tier wird innerlich vergiftet. Die genauen Ursachen der Trächtigkeitstoxikose sind bislang nicht eindeutig geklärt. Man vermutet einen Zusammenhang mit der Ernährungssituation der Tiere (zu fette Tiere sind häufiger betroffen), mit Streßsituationen, einer genetischen Disposition und auch der Umgebungstemperatur. Im heißen Sommern werden Fälle von Trächtigkeitstoxikose häufiger beobachtet als zu kühleren Jahreszeiten. Ein zu altes Muttertier oder eines, daß zu lange keinen Nachwuchs mehr hatte (seit dem letzten Wurf >12 Monate vergangen) sind jedoch der häufigste Anlaß für Komplikationen bei unerfahrenen Züchtern!

Eine normale Tragzeit verläuft denkbar unauffällig. Bis zum letzten Drittel der 64 bis 73 Tagen dauernden Schwangerschaft ist das Weibchen nicht auffällig fülliger. Erst dann wachsen die ein bis sieben Jungen schnell und können schließlich sogar die Hälfte des Gewichtes ihrer Mutter ausmachen. Trotz der Größe der Babys geht die Geburt relativ einfach und schnell vor sich.

Es kommt vor, besonders bei Erstgebärenden, daß das Muttertier die Jungen nicht annimmt oder sie zu spät von der Eihaut befreit, so daß sie ersticken. Echte Totgeburten sind relativ selten.

Der Vater hat eher eine zweitrangige Stellung; er sollte natürlich ebenso kräftig und gesund sein, denn nur kräftige Eltern bekommen ebensolchen Nachwuchs. Wichtig ist, daß das Männchen nicht bis zum Geburtstermin im Käfig bleibt, da das Weibchen direkt nach dem Wurf und dann wieder alle 16-21 Tage erneut deckbereit ist.

Also wird ein neuer Käfig nötig, denn sollte das Weibchen mehr als zwei bis max. drei Würfe pro Jahr austragen müssen, führt dies zu gesundheitlichen Schwierigkeiten und vielleicht sogar zum Tode des Tieres. Die Jungtiere sind voll entwickelt und probieren vom ersten Tag an all das, was auch ihre Mutter frißt und was der Käfig oder Auslauf so hergibt. In dieser Zeit sollte man besonders achtsam sein, daß die Tiere nichts zum Verzehr Ungeeignetes erwischen können.

Berücksichtigen muß man auch, daß sich die jungen Weibchen sehr schnell entwickeln. Sie sind bereits mit fünf bis sechs Wochen geschlechtsreif und können gedeckt werden! Da dies ihrer Gesundheit abträglich wäre, muß der Vater den gemeinsamen Käfig spätestens jetzt verlassen haben. Männchen entwickeln sich später, aber auch sie müssen spätestens mit sieben Wochen zu ihrem Vater umziehen.

Apropos Männchen und Weibchen: Sie sind schon am ersten Lebenstag leicht voneinander zu unterscheiden.

Sein Geschlechtsteil ähnelt einem "i", wobei der After den Strich und der Penis den Punkt bildet. Auf leichten Druck auf den Bauch über der Geschlechtsöffnung rutscht der Penis ein Stückchen hervor.
Ein Weibchen hat eine Geschlechtsöffnung, die etwa wie ein "Y" aussieht. Zwischen den beiden oberen Ästen des Ypsilons liegt die etwas hervortretende Harnöffnung, im Zentrum, wo sich alle drei Striche kreuzen, die Vagina und im unteren Strich die Afteröffnung.

Vor dem Zusammensetzen der Paares muß man sich Gedanken über den Verbleib der Jungtiere machen. Der Idealfall wäre sicher, den Vater zu kastrieren und mit Mutter und Töchtern in einer großen Gruppe zu vergesellschaften. Dann lerntman alle Verhaltensweisen der geselligen Nagetiere kennen.

 

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20-02-2006